A. Rupert Hall, hervorragender Professor der wissenschaftlichen Geschichte, erstellt die pleonastischen Fragen "warum jetzt und nicht vorher oder nachher" und "warum hier und nicht dort"? Er kommt zu folgendem deklamierten Ergebnis: die rein zufällige Entstehung einer bestimmten Problematik kann auch intervertiert werden, sodass sie sich nie ergeben hat. Somit sinniert er, dass "die wissenschaftliche Revolution zu Beginn der modernen Epoche auch hätte NICHT stattfinden können.
Nein, dies ist eine zu vereinfachte Annahme. In den Jahren, die der Veröffentlichung meiner ersten Ausgabe der "Eresia pura" (reine Ketzerei) vorausgingen, (mit dem Titel "La via del sole" - Edis, 1996), widmete ich mich mit Leib und Seele dem Studium der Geschichte der Wissenschaft: Grundmaterie, um die Geschichte der Menschheit zu schreiben, denn unvermeidlich führt dies zum Konflikt zwischen Religion and Vernunft… Konflikt, der das Schicksal der Menschheit gezeichnet hat. Während ich diese Aufzeichnung auf den neusten Stand bringe für die neue Ausgabe der "Eresia pura", eingefügt in die Sammlung Eretica speciale der Stampa Alternativa, findet in Neapel im archäologischen Museum eine Ausstellung statt mit dem Titel "Eureka! - Antike - Erfindung". Die Journalisten, welche darüber berichten, verzichten in diesem Fall auf Kritik und sind einer Meinung mit dem Kulturminister Rocco Buttiglione: er schreibt in der Einführung des Ausstellungskatalogs, dass "die Bibliothek Alexandriens verschwand", wo doch "in dieser Ära eine grundsätzliche wissenschaftliche Revolution hervorging", dass dann aber "diese Epoche dem Untergang verschrieben war aus Gründen, die bis heute unklar sind und für die es schwierig ist, eine befriedigende und alleinige Antwort zu finden."
Einen teil meines Lebens habe ich der Aufgabe gewidmet, für diese noch heute unklaren Gründe eine Erklärung zu finden, wobei ich mich z.Bsp. auch der Texte wie "La rivoluzione dimenticata - Il pensiero scientifico greco e la scienza moderna" (Die vergessene Revolution - der griechische wissenschaftliche Gedanke und die moderne Wissenschaft) bediente, ausgeführt von Lucio Russo, Ordinarius der Wahrscheinlichkeitskalkulation der Universität Rom, und woraus unbestreitlich hervorgeht, auf welch hohem Niveau die wissenschaftliche Revolution stand, begonnen vor 2400 Jahren von den Griechen im IV. Jahrhundert v. C., die dann aber eine Deflation erlitt im Schmelztiegel der Wissenschaftler der Alexandrinischen Schule in einem Zeitraum von sieben Jahrhunderten.
Meine Schlussfolgerung ergibt eine mehr als zufrieden stellende Antwort - ausreichend und minuziös dargestellt in meiner geschichtlichen Trilogie ("Ipazia, scienziata alessandrina", "Eresia pura" e "Roghi fatui"). Sie beschreibt den Stillstand der philosophischen und wissenschaftlichen Entwicklung der Menschheit aufgrund des niederträchtigen Abkommens zwischen dem untergehenden Römischen Reich und der entstehenden Katholischen Kirche, sich dann zuspitzend bis zur Vernichtung der Alexandrinischen Wissenschaftlerin im Jahr 415 n.C. und somit auch ihrer Lehre: in jenem Jahr beginnt der Obskurantismus, welcher die Menschheit um 1200 Jahre Fortschritt betrog. Acht Jahrhunderte nach der Ermordung Hypathias versuchte ein anderer, noch unbekannter Wissenschaftler, der Welt die "Schlüssel des Wissen" aufzuzeigen, welche er dem blutbefleckten Staub der Bibliotheken entriss: Giordano Nemorario, ein Vorgänger Leonardo da Vinci. Kardinal Nikolaus von Kues, der Handwerker Gutenberg, der Astronom Kopernikus, der Ketzer Giordano Bruno und der Vater der modernen Wissenschaft Galileo Galilei - sie alle vereint eine gemeinsame Leidenschaft: die Errungenschaft und Verbreitung des Wissens, Leidenschaft, die mit dem Tod durch Scheiterhaufen, Gift oder heimlichen Prozessen mit Folterung bezahlt wurde.
Somit ist dies der Schwerpunkt der drei geschichtlichen Romane: ein Schlüssel für eine neue Auslegung des Krieges zwischen Wissenschaft und Religion, rücksichtslos geführt von der katholischen Kirche gegen alle Diejenigen, die für die Verbreitung des Wissens unter den Völkern lebten und somit der Menschheit ein Instrument für die Freiheit anboten.